Vorwort

Das starke Fundament einer goldenen Zukunft ist das Wissen um die Schwächen der Vergangenheit. Keine andere Phrase aus den frühen Jahren meiner Ausbildung hat sich mehr festgesetzt als diese. Die Bruderschaft des einsamen Vaters erkannte meine stille Faszination für das Vergangene und für die Geschichte sehr schnell und förderte diese so gut sie nur konnte. Noch bevor ich meinen dreizehnten Namenstag erlebte, wies mir die Bruderschaft den Weg für mein weiteres Leben und ich beschritt ihn ohne zu zögern und ohne zu bedauern – und das hat sich bis zum heutigen Tage nicht geändert.

Für jeden anderen Knaben, der gerade das Lesen und Schreiben erlernte, wären die unzähligen Entbehrungen nur schwer zu ertragen gewesen, die der Abschied von den eigenen Eltern mit sich brachte. Doch mein werter Vater und meine gütige Mutter bereiteten sich und ihren Sohn seit dem Tage seiner Geburt darauf vor. Sie waren Kaufleute aus Nasussil und entstammten einfachen Verhältnissen. Verzicht und Entbehrung begleiteten sie stetig, während sie sich ihren bescheidenen Wohlstand mit harter Arbeit aufbauten. Ihr Sohn sollte es einmal besser haben. Sicherlich ein Traum, den viele Eltern hegen, doch die wenigsten von ihnen tun tatsächlich etwas dafür – oder opfern gar die trügerische Harmonie des familiären Zusammenseins. Sie schleppen ihre Kinder mit und zerren sie ziellos, blind und taub durch die trübe Nichtigkeit des eigenen Daseins. Der Traum, dem eigenen Fleisch und Blut eine goldene Zukunft zu ermöglichen, scheint beinahe dem sturen Ehrgeiz zu weichen, dass es dem Sohn oder der Tochter auf keinen Fall einmal besser gehen darf. Der Fluch der einfachen Leute, vor dem Ihr und auch meine Wenigkeit verschont bliebt.

Lasst mich Eurem Hohen Vater, König Nothan, dem Dritten seines Namens danken. Die Dankbarkeit, mich für diese ehrbare Aufgabe auserwählt zu haben, wird mich bis in die Dunkelheit meines Grabes begleiten – und wenn es Gottes Herrlichkeit gut mit mir meint, vielleicht sogar darüber hinaus. Möge uns Eures Vaters Weisheit in diesen schweren Zeiten auch weiterhin beschützen und möge seine Tapferkeit auch weiterhin der Schild sein, der uns vor den Mächten des Feuers beschützt.

Der Tag rückt näher, königlicher Prinz Tithan, an dem ganz Hurth Euren sechzehnten Namenstag feiern wird. Turniere werden Euch zu Ehren ausgerichtet und die tapfersten und stärksten Krieger des Landes werde Euch ihre Fähigkeiten mit dem Schwert und der Lanze präsentieren. Hoheiten und Edelleute aus ganz Vylithien werden Ansuli besuchen und Euch die Ehre erweisen, die Mannwerdung des ältesten Königssohnes zu bezeugen. Schon bald habt Ihr das Recht der Krone auf Eurer Seite. Ihr und nur Ihr werdet der Erbe des Hohen Throns der sechs Türme sein und die Liebe des Volkes zu seinem Prinzen wird nur von der Liebe zu seinem künftigen König überboten werden.

Doch es werden schwere und dunkle Zeiten sein, die uns bevorstehen und die alle Menschen Vylithiens in Furcht vor dem Feuer und seiner Macht über die Wesen der Finsternis einen werden. Die Zeit wird kommen, in der Ihr die Hand des Friedens über das Pfortenmeer und die Alte Welt hinaus strecken müsst. Und meine ehrbare Aufgabe besteht nun darin, Euch die Welten und Länder vorzustellen, mit der die Elemente einst ihre Schöpfung begannen. Ihr werdet von Völkern, Städten und Imperien erfahren, von denen die meisten noch nie etwas gehört haben.

Nutzt dieses Wissen, so bescheiden es auch sein mag. Die Zeit wird kommen, an dem alte Bündnisse und Allianzen nicht mehr genügen werden, um uns vor den Flammen des Krieges zu retten. Erkennt die Weisheit der Worte, die Wichtigkeit der Geschichte und begründet die goldene Zukunft.

 

                                                                          Bruder Olithan Nachtstein

Von Pyramiden, Gottkaisern und ungeahnten Reichtümern: Die Perlmuttinseln

Ohne Frage liegt der Ursprung unserer eigenen Kultur und aller Menschenkulturen Vylithiens in den großen und kleinen Inselreichen, die wir heute grob und eigentlich auch wenig zutreffend als die Alte Welt bezeichnen. Die Eiserlinger behaupten von sich, Nachfahren kyortischer Flüchtlinge und Übersiedler des mystischen Eisreiches Jalnar zu sein – und um dieses gleich vorweg zu nehmen: während die Herkunft der Eiserlinger von dem kleinen Eiland Kyort von niemanden angezweifelt wird und allgemein Gültigkeit besitzt, hat bis auf wenige Familien der Südberg-Eiserlinger noch nie jemand etwas von Jalnar gehört. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Weder Seefahrer noch Gelehrte der Reiche Vylithiens haben jenseits des im Norden herrschenden ewigen Eises etwas entdeckt, dass auf ein vergessenes und in Eis geschlagenes Menschenreich hindeutet.

Die Sagettari entstammen der von Naturgewalten zerstören Insel Sagerron, dem zentralsten Eiland der Alten Welt, während die Valesii, die Karden, die Hurth und auch die Xathirr mehr oder weniger die Erben von Flüchtigen aus allen anderen großen Reichen jenseits des Pfortenmeeres sind, die vor so vielen tausend Jahren an der Westküste Hurths strandeten. Doch auf die Ländern und Herrscher der Alten Welt kommen wir später noch einmal zurück.

In der gemeinen Bevölkerung haben die Begrifflichkeiten Alte Welt auch heute noch Bestand. Und niemand mag dem einfachen Mann und der einfachen Frau widersprechen, wenn es um die Wurzeln unserer eigenen Kulturen geht. Doch weder waren die Inseln auf der anderen Seite des Pfortenmeeres der Ursprung der Menschheit, noch gehören die Königreiche Lissis, Tarros, Kyort und Pelian den zu ältesten Menschenkulturen, von denen wir wissen.

Die ältesten von Menschen begründeten Kulturen liegen auf den Perlmuttinseln, einem Archipel unterschiedlich großer Inseln südwestlich der Alten Welt. Was wir über diese alten Reiche und untergegangenen Imperien in Erfahrung bringen konnten, verdanken wir tapferen Seefahrern und mutigen Abenteurern und dem geschrieben Worten weiser Männer und Frauen, die von ihren Königen entsandt wurden, um mehr über die Ursprünge der Menschheit zu erfahren. Vor allem die gottesfürchtigen Könige von Tarros, einer heute sehr zurückgezogenen und stark isolierten Gesellschaft, entsandten vor vielen hundert Jahren Schriftführer, Gelehrte und Priester, nachdem die ersten Seefahrer die Kunde von der Entdeckung der Perlmuttinseln in die Paläste und Dörfer der Alten Welt trugen.

Die Kapitäne von Handelsschiffen unser eigener Häfen und denen unserer Nachbarn im Westen und und im Osten wagten sich erst vor wenigen Jahren über die zwei Jahre hin an die Küsten dieser unbekannten Fremde. Kapitän Mathis Grauwolf von der kleinen Insel Ansul Saan steuerte die Dämmerung von Saansil vor etwa siebzig Jahren über drei Meere bis zu den Küsten der Ersten Welt, wie wir die Perlmuttinseln in alter Tradition unserer eigenen Wortgebung heute nennen. Ohne selbst je einen Fuß auf eine der Inseln gesetzt zu haben oder gar eine der großen Städte zu betreten, konnte Grauwolf jedoch aus der Ferne die Legenden gewaltiger Pyramiden bestätigen, die noch heute Zeuge des alten Kaiserreiches der Jeyshar-Dynastie abliefern. In Verbindung mit dem, was wir vom Austausch mit Gelehrten aus Tarros und Pelian erfahren haben, herrschten die Gottkaiser der Jeyshar beinahe zweitausend Jahre über beinahe alle Inseln der Ersten Welt und haben in allen Großstädten ihre Spuren hinterlassen.

Offenbar im zweiten Zeitalter der Menschen Vylithiens, in dem unsere Vorfahren das Unrecht und die Knechtschaft des Feuers erdulden mussten, zerfiel dieses gewaltige Reich. Zwei verbrüderte Fürsten sagten sich mit ihren Inselreichen vom Imperium los und stürzten die Jeyshar-Dynastie in einen Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg. Obwohl die Familie der Gottkaiser siegreich blieb, brach das große Reich in den Nachwehen dieses blutigen Konflikts schließlich doch auseinander. Heute bestehen die Perlmuttinseln aus einem Bund sich mehr oder weniger im Frieden befindlichen Freistaaten, deren Kulturen aber noch immer stark von dem beeinflusst und geprägt sind, was die Jeyshar ihnen hinterlassen haben.

Was ich Euch, königlicher Prinz Tithan, als gesicherte Tatsachen aus erster Hand unserer eigenen Seefahrer und Forscher zur Ersten Welt mitgeben kann, ist arg begrenzt, das gestehe ich ein. Nur wenige wagten es tatsächlich die goldenen Häfen anzusteuern und das Festland zu betreten. Vieles von dem, was Ihr nun im Einzelnen über die Länder und Reiche der Perlmuttinseln erfahrt, hat die Bruderschaft des einsamen Vaters von Überlieferungen und Legenden übernommen, die über die See bis an unserer Küsten angespült wurden. Dabei, so hoffe ich, ist es meinen Brüdern und mir mit Hilfe von Freunden aus der Alten Welt gelungen, Fakten von Märchen zu trennen und Euch tatsächlich die Informationen mit auf den Weg zu geben, die für Eure künftigen Entscheidungsfindungen nötig sein könnten.

Das Reich der Goldenen Mutter

Eines nehme ich an dieser Stelle gleich vorweg – die für unsere Ohren doch recht eigenwillige Namensgebung der Reiche der Ersten Welt. Das größte Eiland des Archipels liegt am nördlichsten und ist dem Süden der Alten Welt am nächsten. Geprägt ist die Insel über weitere Strecken von sanften und mit dichten Gräsern und Feldern gewachsenen Hügeln. Ruhige und fischreiche Flüsse und Bäche fließen durch das stille Land. Je tiefer man sich in das Herz der Insel begibt, je dichter und unwirtlicher werden die Wälder, die sich um die drei großen Berge im Zentrum der Insel befinden (auch Die drei Schwestern genannt).

Wer um die mystischen Kreaturen weiß, die uns die Elemente in den Wäldern und Bergen Vylithiens hinterließen, den mögen die Berichte von fremdartigen und eigenwilligen Wesen nicht verwundern. Die Wälder an den südlichen Hängen der Drei Schwestern werden von mannhohen, aber flügellosen Vögeln beherrscht, die mit ihren kurzen, aber messerscharfen Schnäbeln und tödlichen Krallen an ihrem Geläuf nach Beute jagen. Es scheint eine Welt zu sein, in der sich alles ein wenig anders entwickelt hat, den auf dem Speiseplan dieser todbringenden Vögel stehen Pferde, die nicht größer zu werden scheinen als gewöhnliche Haushunde. In anderen Wäldern jagen schwarze Waldlöwen, Silber leuchtende Riesenschlangen und gewaltige Krokodile, die in den Flüssen östlich der Drei Schwestern auf Beute lauern. Es wundert daher nicht, dass die Menschen, die diese Insel bewohnen, dass Reich der Drei Schwestern meiden.

Das Reich der Goldenen Mutter erhielt seinen Namen erst nach dem Zusammenbruch der Jeyshar-Dynastie. Welchen Namen sie zuvor trug, ob die einzelnen Inseln überhaupt eigene Namen trugen, ist nicht überliefert. Ihren Namen erhielt diese Insel einige Jahre nach dem Ende des Gottkaiserreiches. Jeyshar Norwon, Siebter seines Namens, war der letzte Herrscher der alten Dynastie. Er war siebzehn Jahre alt und saß bereits seit vier Jahren nach dem Tod seines Vaters Jeyshar Maar auf dem Thron. Ohne Frage muss er die Schlinge, die seine politischen Feinde um seinen schmächtigen Hals legten, gespürt haben. Er schickte seine Mutter, Naan Jeysharin Peril, und seine jüngeren Geschwister mit dem königlichen Galeere fort, als er befürchtete, dass seine Feinde mit all ihren Verbündeten die Mauern der Palaststadt stürmen würden und die Herrschaft der Jeyshar endgültig beenden sollten. Später hieß es, dass man dem jungen Gottkaiser nach Erstürmung der Stadt im Abstand von jeweils zehn Tagen alle Gliedmaßen abgehackt und seinen verstümmelten, aber noch lebenden Torso den Haien zum Fraß vorgeworfen haben soll. Diese schreckliche Kunde war auch zu Naan Peril durchgedrungen. In den Monaten nach der Ermordung ihres Sohnes versammelte sie die durch die See treibenden und zu fliehen versuchenden Reste der kaiserlichen Flotte. Mit dem wenigen Gold, das der heimatlosen Jeysharin noch zur Verfügung stand, heuerte sie eine kleinere Gruppe von Piratenschiffen an und wartete auf den richtigen Augenblick. Es hieß, sie nahm sogar einen mächtigen Piratenkapitän zum Gemahl, um sich dessen Streitkräfte in die eigenen Kampfverbände einzuverleiben.

Bis zur Rückeroberung ihrer Heimat vergingen jedoch mehrere Monate, einige Niederschriften sprechen sogar von etwas mehr als zwei Jahren. Alle Schriften stimmen jedoch darin überein, dass Jharal Ghoudan, der Pirat, den Naan Peril ehelichte, kurz vor dem Angriff auf die alte Palaststadt, verstarb. Die Mutter des letzten, jung verstorbenen Gottkaisers hatte sich zu diesem Zeitpunkt offenbar schon die Loyalität der Jharal untergebenen Piraten gesichert, denn trotz des unerwarteten Todes des damals legendären Piratenkapitäns brach Peril mit der Streitmacht der Seeräuber und dem Rest der kaiserlichen Flotte auf, um die Insel und die Stadt, die heute den Namen Rhalan oder auch Das Goldenes Nest trägt, anzugreifen und schlussendlich zu erobern.

Naan Perils Rückkehr in den kaiserlichen Palast wurde von der gemeinen Bevölkerung gefeiert, doch so sehr sie auch nach dem Thron ihres Sohnes strebte, er wurde ihr verwehrt. Ihr ältester noch lebender Sohn Merrik wurde zum König gekrönt. Er widersetzte sich den Bestrebungen seiner Mutter, die alles unternahm, um das alte Kaiserreich mit Gewalt wieder zu vereinen, und wollte dem kleinen, treuen Rest der alten Dynastie Frieden bringen.

Beiden blieb langfristig der Erfolg verwehrt. Die Goldene Mutter geriet immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn. Es ging um die Vorherrschaft stark befahrener Handelsrouten und tatsächlich auch um den zum Scheitern verurteilte Versuche der Unterwerfung.

Naan Peril verstarb wenige Jahre nach der Rückeroberung ihrer Heimat. Ob ihr Sohn sie vergiften ließ (wie viele vermuten), da sie immer wieder Versuche unternahm, seine Pläne zu unterwandern, oder ob sie eines natürlichen Todes verstarb, da widersprechen sich die Überlieferungen je nach Loyalität des jeweiligen Schriftführers.

Der Name des neuen Inselreiches ist wohl zum einen auf die Reichtümer der Piraten zurück zu führen, die Naan Peril mit ihrem Bündnis ihrem Volk zuführte, oder auch im weit übertragenem Sinne dem goldenen Weg, dem Wohlstand, den ihr Sohn und dessen Nachfahren ihrem Volk mitgaben.

Heute herrscht eine Konklave aus mächtigen Familien über die Goldene Mutter. Der König, der noch immer in der großen Pyramide von Rhalan lebt, hat hauptsächlich zeremonielle Zwecke und ist Oberhaupt des religiösen Ordens der Elementarier. Wir wissen nicht genau, wann die Vielgötterei in die Erste Welt Einzug hielt. Zu Zeiten der Jeyshar-Dynastie gab es nur einen Glauben – nämlich an die ewige Herrlichkeit und an die Macht der Gottkaiser. Sie waren Herrscher und Gott, gesellschaftliche, militärische und spirituelle Anführer.

Warum oder wann genau sich das Reich von der Monarchie abwandte ist nicht überliefert. Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass dies ein schleichender Prozess war und die Könige unter dem Einfluss der Kaufleute mit der Zeit an Macht verloren. Wer dem König der Goldenen Mutter heute gegenüber steht, hat lediglich eine Marionette nach Reichtum strebender Händler vor sich.

Rhalan – Hauptstadt des Reiches der Goldenen Mutter

Wer sich fragt, warum die Erste Welt mehr unter ihrem alten Namen, die Perlmuttinseln, bekannt ist, muss nur einen flüchtigen Blick auf die größte Stadt der Inselgruppe werfen. Eine ganze Reihe prächtiger Pyramiden prägt das Bild der Hafenstadt Rhalan. Die größte von ihnen ist die Einsame Mutter. In keinem der Menschenlande Vylithiens findet sich ein Bauwerk, dass nur annähernd so hoch in die Wolken zu greifen scheint wie die alte Königspyramide. Etwa ein Drittel des Bauwerks war zur Hochzeit der Jeyshar-Dynastie in strahlendes Gold gekleidet. Die Krone der Pyramide jedoch war in kostbares Perlmutt gehüllt. Kapitän Grauwolf erwähnte in seinen Aufzeichnungen, dass er den Schweiß der Sklaven, die für den Bau dieses eindrucksvollen Gemäuers ihr Leben ließen, noch immer riechen und in der Luft schmecken konnte. Die Gewässer vor der Insel gelten als besonders salzreich. Der Volksmund spricht daher davon, dass dies den toten Sklaven geschuldet sei, deren sterbliche Überreste, schwitzend und blutend, dem Meer übergeben wurden, nachdem die Pyramide fertig gestellt war.

Noch heute häufen die Kaufleute Rhalans ihre Reichtümer mit der Ernte der großen Muscheln, die an steinigen Klippen im Westen und Norden der großen Insel in unzähligen Kolonien gedeihen. Einst waren die Schalentiere mit den wertvollen Innereien auf allen Inseln der Ersten Welt zu finden. Doch die Gier der Händler und Goldschmiede war unersättlich.

Nicht nur das Haus des Königs, auch die Dächer der Häuser wohlhabender Geschäftsleute strahlt im bunten Glanz des Perlmutts. Inzwischen wird der Bedarf an diesem kostspieligen Naturschatz hauptsächlich durch den Import und dem Handel mit den Inselreichen Kyort und Lissis in der Alten Welt gedeckt.

Auf der Seeseite wird die Stadt durch ihre Flotte und eine Reihe von Geschütztürmen vor Schaden durch mögliche Angreifer bewahrt. Die Landseite der Stadt wird von einem Ring aus mächtigen Marmor umgeben. Auf dem Schutzwall und den Geschütztürmen sind schlagkräftige Kanonen aufgestellt, die neben Pfeilen, Speeren und Schwertern einem näher rückenden Feind in die Flucht schlagen sollen. Die Hurthischen waren das erste Volk Vylithiens, das sich dieser neuen Technologie bediente und im Krieg gegen die Mächte des Feuers stetig weiterentwickelte. Die drei Tore, die nur im Angriffsfall und auf Befehl des Stadtrates geschlossen werden, sind durchgehen geöffnet.

Rhalan ist eine lebendige Stadt. Ihre Häfen stehen dem freien Handel offen und so finden sich Vertreter aller Völker der bekannten Welt in den Gaststätten und Freudenhäuser. Ein Großteil der Bewohner der Insel lebt in Rhalan selbst. Die Stadt ist flächenmäßig etwa mit der sagettarischen Hauptstadt Zeyon zu vergleichen. Allerdings leben innerhalb ihrer Mauern deutlich mehr Menschen. Zwischen 750.000 und einer Millionen Männer, Frauen und Kindern sind dort zu Hause. Die stetig wachsende Zahl an Gästen, Seefahrern und Durchreisenden nicht mit eingerechnet.

Außerhalb der nordöstlichen Mauern sind auf den nackten Klippen die Ruinen einer alten Stadt zu erkennen. Offenbar war dies einmal die Altstadt von Rhalan, die jedoch einem Feuer zum Opfer gefallen zu sein scheint. In alten Legenden und Überlieferung spricht man sogar von Drachenzorn und den Flammen eines geflügelten Untiers, dass einst die Altstadt zerstörte.

Die Rhalanesen gelten als weltoffen und gastfreundlich. Ihr Hafen ist einer der belebtesten der bekannten Welt. Allerdings ist nur schwer zu erkennen, wie sich dieses Durcheinander und niemals ruhende Gewirr überhaupt verwalten lässt. Gaststätten, Tavernen und Bordelle bestimmen das Bild des Hafenviertels, während die Innenstadt von Märkten, Tempeln und Handwerksgeschäften geprägt ist.

Fisch dient hauptsächlich dem Handel. Auch wenn die Gewässer um die Insel herum so lebendig sind und Fischarten in Hülle und Fülle hervorbringen, steht dieser bei den wenigsten Rhalanesen auf dem Speiseplan. Geschmorte Schafsköpfe, gefüllte Schweinefüße, marinierte Ochsenhoden oder sonstige Innereien treffen dabei nicht immer den Geschmack fremdländischer Besucher, doch die Kinder der Goldenen Mutter, wie die Bewohner der Insel auch genannt werden, schätzen ihre eigenwillige Küche.

Die Stadt selbst liegt im Südosten der großen Insel am Ende einer breiten Landzunge. Vor ihren Toren führten die Straßen in das tiefe Land durch Felder, Gräser und Wälder.

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Letztes Update: 10.01.2018

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